Im Goldgräberdorf der Rotweine
Ein Winzerdorf erwacht
Die Weinstrasse von Villany-Wieland und Palkonya-Palkan im Südosten Transdanubiens
Von Weitem bietet sie eine hügelige, abwechslungsreiche Landschaft, geprägt von viel Sonnenschein, schneeweissen Weinkellerreihen, feinen traditionellen Speisen und gastfreundlichen Menschen - Die Weingegend von Wieland und Palkan. Ein ungarisches Sprichwort
sagt: „Guter Wein lobt sich selbst.“
Die Weinstrasse im südlichsten Komitat des Landes, Branau gelegen, schmiegt sich über mehrere Kilometer an die sanften Hänge des Mecsekgebirges. Das Zentrum der auch international immer bekannter werdenden Weingegend war vermutlich schon zur Zeit der Kelten von Weinbau betreibenden Familien bewohnt. Die günstigen natürlichen Bedingungen des Karasica-Tals , die Ost-und Südhänge boten mit ihrem submediteranen Klima ideale Voraussetzungen für den späteren Weinbau. Wie es auch die freigelegte römische Villa und die darin entdeckten Mosaike und der Altarstein beweisen, schufen schon die Römer eine hervorragende Weinkultur in dieser Gegend. Die ethnische Zusammensetzung der seit der Landnahmezeit von Ungarn bewohnten Siedlung veränderte sich erst in der Türkenzeit. Im sogenannten Jammertal erlitten hier die türkischen Truppen vom Heer der Heiligen Liga unter Markgraf Ludwig Wilhelms von Baden am 12.August 1687 eine Niederlage. Die ersten deutschen Siedler trafen in der 2.Hälfte des 18.Jahrhunderts, die Ungarn erst im vergangenen Jahrhundert ein. Die Weine des in den schriftlichen Quellen in verschiedenen Formen belegten Ortes „Villya, Vellám“ fanden in vielen Gebieten des Habsburger Reiches, vor allem in den Südländern, in Wien, in der Steiermark aber auch in Deutschland und Frankreich Absatz. Infolge der Entwicklung der Infrastruktur sind sie trotz der Reblausseuche im 19.Jahrhundert heute in ganz Europa und sogar in Übersee bekannt. Bei der deutschen Bevölkerung ist der Weinbau durch jahrhundertelange Erfahrung in der Weinherstellung schon Tradition. Mediterane Luftströme bestimmen in Palkan und Umgebung das Klima und mediteran wirken auch deren Kellerhäuschen, die wie hingeworfene Spielzeugklötze am Fusse der Hügelkette liegen. Irgendwie spiegeln sie die Bescheidenheit der Besitzer wieder. Sie sind aber auch der ganze Stolz der alten und neuen Winzer. Neu, weil sie erst nach dem Fall des sozialistischen Regimes wieder richtig begannen, Wein zu keltern. Alt, weil sie aus Familien stammen, die hier seit Generationen die Reben pflegen. Die Region gilt mit seiner traditionellen Verbundenheit zu den Cabernet-Sorten schon lange als das Bordeaux des Ostens. Auch die heutigen Winzer sind zumeist Nachkommen der unter Maria Theresia angesiedelten Deutschen. Ihre Mütter kochen wie eh und je schwäbische Mehlspeisen und singen im Ensemble deutsche Volkslieder. Ein guter Rotwein der hiesigen Reben kann seine Qualität 25-30 Jahre erhalten- hoffentlich bewahren wir die guten alten Traditionen noch länger.