16/09/2026
Der politische Aktivist Barış Erhan ist aus der Türkei geflohen, nachdem ihm dort jahrzehntelange Haftstrafen drohten. In seiner Jugend war Barış Mitglied einer sozialistischen Jugendorganisation. Deren Mitglieder waren permanenten Razzien und Festnahmen ausgesetzt. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten wurde er überwacht, bedroht und strafrechtlich verfolgt. Heute noch leidet er unter den psychischen Folgen der Repressionen.
Im Juli 2024 floh Barış gemeinsam mit 67 weiteren Menschen per Boot von Izmir nach Griechenland. Nach der Ankunft an der Küste der Insel Tilos wurde die Gruppe von der griechischen Küstenwache festgenommen. Trotz seines gesundheitlichen Zustands und der vorgelegten Beweise für seine politische Verfolgung in der Türkei, wurde ihm das Recht auf Asyl verweigert. Stattdessen leitete der griechische Staat ein Strafverfahren gegen ihn ein, basierend auf konstruierten und nicht belegten Vorwürfen, wonach er am Steuer des Schiffes gesessen sein soll und vom griechischen Staat als Schleuser beschuldigt wurde. Am 11. Juni 2025 wurde Barış von einem Gericht in Rhodos zu 74 Jahren und einem Monat Haft und zu einer Geldstrafe von 700.500 € verurteilt. Weder die Aussagen seiner Familie und Unterstützerinnen noch die entlastenden Beweismittel wurden in der Urteilsfindung berücksichtigt.
Die Festnahme, Anklage und Verurteilung von Barış ist der Ausdruck der Abschreckungspolitik der Festung Europa. Sie ist eines der jüngsten Beispiele dafür, wie das Recht auf politisches Asyl und das Völkerrecht in Griechenland stellvertretend für die EU mit Füßen getreten werden. Barış ist unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert. Im Gefängnis von Koridallos wurden ihm die Medikamente, die er aufgrund seiner bipolaren Störung benötigte und die ihm zustehen, nicht verabreicht. Dadurch verschlechterte sich sein Gesundheitszustand drastisch. Er unternahm zwei Selbstmordversuche und verbrachte dann eine lange Zeit in der psychiatrischen Abteilung.
Anschließend wurde er in das Gefängnis von Larissa verlegt, ohne eine umfassende medizinische Untersuchung zu erhalten. Seine dringend benötigten Medikamente werden ihm weiterhin vorenthalten, was dazu führt, dass sich sein Zustand stetig weiter verschlechtert.
Derzeit versuchen Familie und Freundinnen über eine Nichtregierungsorganisation und Rechtsanwälte, seinen Fall nochmals juristisch prüfen zu lassen. Lasst uns gemeinsam überlegen, welche Möglichkeiten wir haben, um Barış und seine Familie zu unterstützen und der menschenverachtenden Politik der EU entgegenzuwirken.
Gemeinsam für Menschlichkeit und gegen die Festung Europa! Asylrecht ist Menschenrecht und kein Privileg!
Kommt zu unserem Solidarischen Straßenfest!
Kundgebung, Ausstellung und Zusammenkunft
Sonntag, 20.09.26 ab 13:00 Uhr
Otto-Böhne-Platz, Wuppertal