12/06/2026
Personalmangel zwingt Gaststätte im Tierzuchtzentrum zur Schließung
Der Mittagsbetrieb im Tierzuchtzentrum Schwandorf endet wegen Personalmangels. Trotz hoher Nachfrage schließen Daniel und Steffi Kamseder am 26. Juni die öffentliche Gaststätte, bleiben jedoch mit Catering und Verpflegungsdiensten aktiv.
von Thomas Dobler M.A.
Nach knapp eineinhalb Jahren beenden Daniel und Steffi Kamseder das Mittagsangebot in der Gaststätte Tierzuchtzentrum. Nicht mangelnde Nachfrage, sondern akuter Personalmangel zwingt das Wirtepaar zu diesem Schritt.
Bild: Thomas Dobler
Anfang 2025 hat das Wirtspaar Kamseder die Gaststätte Tierzuchtzentrum übernommen und sich schnell einen treuen Kundenstamm aufgebaut. Täglich wurden nach eigenen Angaben rund 200 Mittagessen ausgegeben.
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Die Gaststätte Tierzuchtzentrum wird für den öffentlichen Publikumsverkehr geschlossen. Essen auf Rädern (Bild), die Schulverpflegung, Cateringaufträge sowie die Bewirtung von Veranstaltungen bleiben bestehen. Auch Essen zum Mitnehmen wird weiterhin angeboten.
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Zum 26. Juni endet der öffentliche Mittagsbetrieb in der Gaststätte des Tierzuchtzentrums Schwandorf. Nach knapp eineinhalb Jahren ziehen Daniel und Steffi Kamseder die Reißleine. Nicht mangelnde Nachfrage, sondern akuter Personalmangel zwingt das Wirtepaar zu diesem Schritt. „Geschäft hätten wir genug“, betont Steffi Kamseder.
Erst Anfang 2025 hatten die Kamseders die Gaststätte übernommen und sich schnell einen treuen Kundenstamm aufgebaut. Täglich wurden nach eigenen Angaben rund 200 Mittagessen ausgegeben. Zu den Gästen zählen Mitarbeiter der Länderbahn, der Bundespolizei, verschiedener Behörden sowie zahlreiche Handwerker und Stammkunden aus der Region. „Das Letzte, woran es liegt, sind die Gäste“, sagt Daniel Kamseder. „Im Gegenteil, wir könnten noch viel mehr machen.“
Personalsituation als Problem
Das eigentliche Problem sei die Personalsituation. „Wir haben keinen Koch, keine Küchenhilfe, keinen Spüler und keine Bedienungen“, zählt Kamseder auf. Seine Frau ergänzt: „Hinten und vorne fehlt es.“ Die Personalnot begleite den Betrieb zwar schon länger, habe sich aber in den vergangenen Monaten deutlich verschärft. Trotz Stellenanzeigen und wiederholter Versuche, neue Mitarbeiter einzustellen, sei es nicht gelungen, dauerhaft ausreichend Personal zu finden.
Die Folgen bekommen die Wirtsleute täglich zu spüren. Oft steht Daniel Kamseder allein in der Küche. „Ich stehe jeden Tag bis zu 17 Stunden hier“, berichtet er. „Ich hangle mich mit der Kocherei von einem Tag zum nächsten. Irgendwann geht das einfach nicht mehr.“ Dabei seien die Arbeitsbedingungen durchaus attraktiv. „Ein Koch würde bei uns um sechs Uhr anfangen und gegen drei Uhr Feierabend machen“, erklärt Steffi Kamseder. „Kein geteilter Dienst, keine regelmäßige Abendarbeit. So etwas findet man in der Gastronomie nicht oft.“
200 Mittagessen
Besonders belastend sei dabei die fehlende Planbarkeit des täglichen Gaststättenbetriebs. Während sich Schulessen, Cateringaufträge oder „Essen auf Rädern“ exakt kalkulieren lassen, bringe das Mittagsgeschäft für die Öffentlichkeit ständig neue Herausforderungen mit sich. „Bei den Schulessen weiß ich genau, wie viele Portionen ich brauche“, erklärt Daniel Kamseder. „Beim normalen Mittagsgeschäft kommen plötzlich 200 Essen dazu. Das ist schön, aber mit unserer Personaldecke einfach nicht mehr zu stemmen.“
Die Entscheidung zur Schließung sei deshalb in den vergangenen Wochen gereift. „Wir haben nach Lösungen gesucht“, sagt Steffi Kamseder. „Aber irgendwann mussten wir uns eingestehen, dass wir es körperlich nicht mehr schaffen.“ Daniel Kamseder ergänzt: „Wir kommen einfach nicht mehr hinterher.“
Viele Angebote bleiben
Ganz aus der Gastronomie verabschiedet sich das Ehepaar allerdings nicht. „Wir machen nur für den öffentlichen Publikumsverkehr zu“, betont Kamseder. Essen auf Rädern, die Schulverpflegung, Cateringaufträge sowie die Bewirtung von Veranstaltungen bleiben bestehen. Auch Essen zum Mitnehmen wird weiterhin angeboten. Familienfeiern, Geburtstage, Vereinsveranstaltungen oder Firmenfeste können nach wie vor im Tierzuchtzentrum stattfinden.
Die Konzentration auf diese Bereiche habe einen entscheidenden Vorteil: Sie sind planbar. „Da weiß ich, was ich kochen muss und wie viele Portionen gebraucht werden“, sagt Kamseder. Mit den vorhandenen Mitarbeitern lasse sich das zuverlässig bewältigen.
Dank den Gästen
Besonders schwer fällt den beiden der Abschied von ihren Gästen. Viele seien ihnen in der kurzen Zeit ans Herz gewachsen. „Das sind so liebe Leute“, sagt Daniel Kamseder. „Man kennt ihre Geschichten, man kennt die Menschen.“ Seine Frau ergänzt: „Unser Wirtshaus war mehr als nur ein Arbeitsplatz. Wir haben hier viele schöne Begegnungen erlebt.“ In einer Mitteilung an ihre Gäste bedanken sich Daniel und Steffi Kamseder für die Unterstützung der vergangenen eineinhalb Jahre. In Erinnerung bleiben gemeinsame Feste, Geburtstage, Stammtische und viele persönliche Gespräche. „Wir haben das wirklich gern gemacht“, betont Steffi Kamseder.
Schmankerltage geplant
Ganz schließen wollen die beiden die Tür des Tierzuchtzentrums jedoch nicht. Geplant sind künftig sogenannte Schmankerltage, an denen die Gaststätte zeitweise wieder öffnet. „Wir hoffen, dass wir viele unserer Gäste dort wiedersehen“, sagt Steffi Kamseder.
Und vielleicht ist die Geschichte noch nicht endgültig zu Ende. Sollten sich künftig ausreichend Mitarbeiter finden, schließen die Kamseders eine Rückkehr zum regulären Gaststättenbetrieb nicht aus. „Vielleicht schaut die Welt in einem Dreivierteljahr schon wieder anders aus“, sagt Daniel Kamseder.