15/03/2020
Corona-Virus & Hochzeitsfeier
Was ist eine Hochzeit?
Zuerst müssen wir die Hochzeit als solche richtig einordnen, damit wir bei neuen Erlassen oder Verwaltungsakten wissen, ob es uns (egal ob als Brautpaar, Gast oder Dienstleister) betrifft oder nicht. Eine Hochzeit, auch wenn mehr als 500 Gäste geladen sind, ist grundsätzlich eine private Feier mit einer geschlossenen Gesellschaft. Eine private Feier ist auch immer rechtlich anders zu bewerten als eine öffentliche Veranstaltung. Das fängt bei der GEMA an und endet bei den Brandschutzbestimmungen, aber zurück zum Corona Virus.
Die Bundesregierung in Bezug auf Hochzeiten
Am 12.03.2020 appellierte die Bundeskanzlerin, alle nicht notwendigen Veranstaltungen (und dazu zählen tatsächlich auch Hochzeiten) abzusagen und zu verschieben. Zudem wird der Verzicht auf soziale Kontakte empfohlen.
Das Robert Koch Institut befürwortet die Entscheidung der Bundeskanzlerin mit der Risikobewertung zu COVID-19 stand 13.03.2020
Auch die Kirchen sind derzeit in der Überlegung sämtliche Gottesdienste vorerst einzustellen.
Dies ist jedoch nur ein Appell und noch keine Entscheidung die Bund- und Länder betrifft. Also kein Erlass, der verpflichtend ist.
Das heißt, aktuell bleibt es in Deutschland so, dass jedes Brautpaar selber entscheiden kann, ob die Hochzeitsfeier stattfindet oder nicht.
Verbot und Absage der Hochzeit.
Erst wenn vom Bund oder Land eine Allgemeinverfügung oder ein offizieller Beschluss erlassen wird, die komplett alle Menschenansammlung verbietet, wie z.B. aktuell in Österreich oder seit gestern auch ab 100 Personen in den Niederlanden, dann müsst auch ihr die Hochzeitsfeier verschieben!
Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch aktuell nach Einschätzung der Experten (Infos 13.03.2020 hier von den Verbänden) sehr unwahrscheinlich.
Es gibt aber aktuell schon einige Gemeinden und Landkreise, die vorsorglich alle Veranstaltungen auf Grund vermehrter Infektionen mit dem Coronavirus abgesagt haben. In diesem Fall trifft es auch anstehende regionale Hochzeiten, da es sich hier um eine Ansammlung von Menschenmengen handelt. Das bedeutet, dass die Hochzeiten verschoben werden müssen.
Wer trägt welche Kosten bei einer Absage?
Zuerst müsst ihr verstehen, dass ihr zwar das Brautpaar seid aber auch der Veranstalter!
Müssen Dienstleister durch den Veranstalter entschädigt werden, wenn eine Veranstaltung wegen des Coronavirus sicherheitshalber abgesagt wird?
Erstmal sind Verträge einzuhalten, also sind alle Kosten zu tragen. Eine rein präventive Absage führt weder zu einer Lösung von Verträgen noch zum Eintritt der Ausfalldeckung einer empfohlenen Veranstaltungsausfall-Versicherung. Auch ist das Thema nicht per se höhere Gewalt, was von vertraglichen Verpflichtungen rechtlich entbinden würde. Da eine Hochzeit auch an einem anderen Datum stattfinden könnte und diese nicht von einem festen Datum abhängig ist, wie z.B. die „Tag der Deutschen Einheits-Feier“, die ausschließlich am 03.10. stattfinden darf, kann sie somit verschoben werden.
Schadensersatz gibt es nur bei verschuldeter Haftung.
Jedoch hat auch der Dienstleister (Dj, Fotograf, Tortenfee usw.) erstmal die Pflicht den Vertrag weiter zu erfüllen. Auch er kann genauso wenig die Leistung vorsorglich einstellen. Sollte das der Fall sein, macht er sich dem Brautpaar gegenüber schadensersatzpflichtig.
z.B.
Die Location sagt euch selbstständig aus reiner Vorsicht ab: Dann muss sie alle anfallenden Kosten, die euch durch die vorsorgliche Absage entstehen, tragen (natürlich solltet Ihr hier vorher in die geschlossenen Verträge schauen).
Das Brautpaar sagt die Feier vorsorglich ab: Dann müsst Ihr alle anfallenden Stornokosten tragen. Eine Versicherung greift nicht.
Anders ist es, wenn die Feier durch einen Beschluss in diesem Zeitraum abgesagt wird.
Die Hochzeit wird durch eine gesetzliche Verfügung abgesagt: in diesem Fall springt die Veranstaltungsversicherung, falls Pandemien eingeschlossen sind, ein und trägt alle anfallenden Kosten.
Habt ihr keine Versicherung, bleibt ihr leider auf den Kosten sitzen. Ihr seid dann (je nach Vertragsbedingungen) verpflichtet, die Stornokosten der Dienstleister (Catering, Location, Dj, Tamada, Band etc.) zu tragen. Alternativ gäbe es die Möglichkeit der Verschiebung der Hochzeit.
Veranstalter müssen laut BGH für das Wohlbefinden der Besucher garantieren. Können hier Haftungsrisiken für Veranstalter drohen, wenn sie ein Event/ Feier nicht absagen – und herauskommt, dass die Veranstaltung zur Ausbreitung des Coronavirus (massiv) beitrug?
Dazu müsste die Prävention absolut gewährleistet sein, das ist sie nicht. Wo Menschen zusammenkommen, besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Der Besucher entscheidet, ob ihm das theoretische Risiko der Teilnahme wert ist. Für den Veranstalter, in diesem Falle Ihr, sind Grundlegende Hygienemaßnahmen zu gewährleisten. Also eine „Schuld der Verbreitung“ lässt sich hier nach, schwer bis gar nicht konstruieren.
Unsere Empfehlung
Aktuell ist die Lage für keinen schön, weder für das Brautpaar, noch für die Gäste oder die Dienstleister. Egal wie, es gibt keine wirklich gute und zufriedenstellende Lösung. Verschiebt das Brautpaar den Termin, muss es sicherlich Stornogebühren bei den Dienstleistern zahlen und findet zum neuen Termin vielleicht nicht mehr das Gewünschte. Die Gäste fühlen sich aktuell einfach unsicher und Oma und Opa überlegen sich leider immer häufiger, zumindest bei den Hochzeiten die bis Ende April stattfinden, die Hochzeit abzusagen und zu Hause zu bleiben. Für die Dienstleister ist es ebenso schwierig – sagen die Brautpaare ab, werden zwar Stornokosten berechnet, trotzdem gibt es Geldeinbußen und ganz besonders, darf der Dienstleister, trotz des Kontakts mit so vielen Menschen, nicht krank werden. Denn dadurch müsste er seine kommenden Hochzeiten absagen bis er wieder gesund ist. Das wiederrum führt kurzfristig zu Problemen bei der Beschaffung von Ersatzleistungen. Auch laufen die Fixkosten beim Dienstleister weiter. (Miete, Mitarbeiter, Banken)
Deswegen unsere Empfehlung: Wir alle können aktuell nichts ändern, deswegen vertraut eurem Bauchgefühl. Setzt Euch mit Eurem Dienstleister, Brautpaar in Verbindung und besprecht die aktuelle Situation. Nur wenn geredet wird, kann auch geholfen werden.
In diesem Sinne, Keep cool soweit es geht, wascht fleißig die Hände und macht einfach das Beste aus der Situation, so machen wir es auch Und dann sollte doch alles gut gehen!
Wir wünschen euch allen viel Gesundheit und Stärke.
Viele Grüße
mk. Showtechnik
DJ Matty