14/12/2025
Zum 3. Advent machen wir einen kleinen historischen Abstecher zum Thema Rabenturm 🏰.
dankenswerterweise haben wir dafür von Thomas Peter einen Auszug aus seinem Buch „Aus der Mühlhäuser Geschichte – Das Mühlhausen-Lexikon“ 📖 erhalten.
Rabenturm (Adlerturm): Der Rabenturm, welcher früher auch Adlerturm genannt wurde, ist mit 31 Metern Höhe der größte Turm der Stadtmauer. Im Zuge des Baus der mittelalterlichen Stadtbefestigung entstanden, hatte der Rabenturm folgende Aufgaben: das Frauentor zu decken, die Straße zu sichern, Mauer, Graben und Wall bis zum Hospitalturm zu bestreichen (überwachen) sowie die Verbindung zu den Warttürmen im Umland zu halten. Nach dem Wortlaut des Sühnevertrages mit den siegreichen Fürsten sollte der Turm 1525 zusammen mit den anderen Befestigungswerken geschleift (abgerissen) werden. Eine Bestimmung, die glücklicherweise nicht zur Ausführung kam. Der Rabenturm hatte ursprünglich nach der Stadtseite eine große, bis fast an das Gesims reichende, spitzbogige Öffnung. Auf Leitern, die auch in den anderen offenen Türmen standen, kletterten die Verteidiger bei Alarm hoch, um rechts und links den Wehrgang zu besetzen. Beim Holzgassenbrand von 1649 brannte das Balkenwerk im Inneren vollkommen aus. Die Spuren dieses Brandes konnte man noch vor wenigen Jahren an der verrußten Innenfläche der Dachpyramide sehen. Leider sind die historischen Rußspuren bei der letzten Restaurierung fast vollkommen beseitigt worden. Beim Wiederaufbau nach dem Brand erhielt das ehemals steinerne Dach eine Schieferbedeckung und einen vergoldeten Knopf auf seiner Spitze. Hierin wurden, der Tradition folgend, Pergamenturkunden, Zeitungen und Münzen eingelegt, die aus dem jeweiligen Jahr der letzten Knopföffnung berichten. Auch ließ man nach dem Stadtbrand von 1649 die offene Turmseite durch eine Wand verschließen, um eine Wohnung zu schaffen, in der bis zum Jahr 1834 die Türmer wohnten. Ihnen war es zur Pflicht gemacht, über die Feuersicherheit der Stadt zu wachen und die Stunden bei Tag und Nacht mit einem Horn abzublasen. 40 Jahre nach dem Holzgassenbrand ereignete sich 1689 ein weiterer Brand, der „Große Stadtbrand“ genannt. Erneut wurde der Turm in Mitleidenschaft gezogen und wieder legte man eine Urkunde in den Knauf ein. Der Rabenturm war bis 1834 mit einem Türmer besetzt. Nachdem 1893 der Türmerposten der Marienkirche abgeschafft wurde und der Rabenturm abgebrochen werden sollte, zog der Magistrat in Erwägung, den Rabenturm wieder mit einem Wächter zu besetzen. Eine Besichtigung des Turms durch Stadtbaurat Kampfhenkel ergab aber, dass die Wiedereinrichtung der Türmerwohnung hohe Kosten verursachen würde und deshalb unterblieb. 1889 wurde wieder eine Sturmglocke auf dem Rabenturm angebracht, über deren Einsatz und Verbleib aber keine Erkenntnisse vorliegen. 1919 machte es sich der Altertumsverein von Mühlhausen, unter Leitung von Stadtarchivar Dr. Ernst Brinkmann zur Aufgabe, den Turm herzurichten und für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. Seit 1920 ist er für Besucher zugänglich. Bei einer Besichtigung kann man die Aussicht über Mühlhausen und die Umgebung genießen. Der Adler auf dem Rabenturm: Im Jahr 1802, es war wohl im Herbst, schritt unter der Führung eines preußischen Korporals ein Wachzug zum inneren Pfortentor hinaus und wandte sich links dem Hirschgraben zu. Auf dem Wall schritten sie dem trutzigen Adlerturm (heute Rabenturm) zu. Da gewahrte der kommandierende Offizier auch den österreichischen Doppelkopfadler als Wetterfahne auf demselben. Der Rat der Stadt hatte diesen vielleicht zum Namenstag des österreichischen Kaisers dort anbringen lassen. Heute, wo die preußischen Truppen Mühlhausen besetzt haben, darf kein Doppeladler, und wenn er nur als Wetterfahne dient, von den Stadttürmen wehen, so dachte der Korporal. Er fasste daher das Gewehr, legte an, ein Schuss krachte, und als sich der Pulverdampf verzogen hatte, sah man einen Kopf und Hals des Doppeladlers glatt abgeschossen.
Wir wünschen euch einen schönen 3. Advent 🕯️ und weiterhin eine besinnliche Weihnachtszeit ✨🎄.