21/07/2018
Warum gibt es Kameras, die 4000€ kosten und worin besteht der Unterschied zu einer 400€ Kamera? Ein paar Worte zum Fotografieren auf Hochzeiten
Ich war wirklich erstaunt als ich damals die Sony a6000 (im Set mit einem 1.8er Objektiv für 400€) als Zweitkamera gekauft habe und die Ergebnisse mit meiner damaligen Hauptkamera (Canon 6D mit 24-70 II L für 3000€) vergleichen habe. Bei guten Lichtverhältnissen sieht man kaum einen Qualitätsunterschied. Doch warum sollte man als Auftragsfotograf (zB bei Hochzeiten) doch eine "Profi" Kamera im Highendpreissegment dabei haben?
Die Antwort: Der Dynamikumfang. Bei richtig guten Kameras kann man nachträglich dunkle Bereiche aufhellen und zu helle Bereiche abdunkeln. Ziel ist es so, ein ausgeglichenes Bild zu erschaffen. Ihr kennt das sicherlich wenn ihr mit Smartphone bei praller Sonne ein Bild macht: Entweder ist der Himmel korrekt belichtet und Bäume und Gegenstände im Vordergrund sind nur noch schwarz zu erkennen, oder die Landschaft ist korrekt belichtet, aber der Himmel ist einfach nur weiß- überstrahlt.
Für Fotografen gibt es mehrere Möglichkeiten, diese Kontrastunterschiede auszugleichen. Zb kann man mehrere Bilder mit unterschiedlicher Belichtung machen (HDR genannt) und diese am PC aufwendig zusammensetzen (mach das mal bei 200 Bildern..). Dieses Verfahren ist nicht ideal bei "sich-bewegenden" Motiven, weil die Bilder exakt übereinstimmen müssen und ja nacheinander geschossen werden.
Eine weitere Möglichkeit ist Blitzlicht, um dunkle Bereiche aufzuhellen. Ich arbeite ab und an gerne mit Blitzlicht, weil man Licht damit ganz genau leiten kann und genau das gewünschte Ergebnis erzielt. Blöderweise ist es teils zeitaufwendig, den Blitz aufzubauen, korrekt zu belichten usw.
Grade bei Hochzeiten kommt es auf Schnelligkeit an und darauf, jeden Moment zu erwischen. Blitzlicht wird oft als störend empfunden und genau auf Hochzeiten bin ich gerne unauffällig und finde, dass mich nicht jeder immer wahrnehmen muss.
Gute Kameras speichern im RAW Format viel mehr Bildinformationen ab, als man im ersten Moment sieht (siehe Bild 1). Diese Informationen kann ich durch leichte Bearbeitung mit Reglern in Lightroom "hervorkitzeln" und so ein natürlich belichtetes Bild mit vielen Details erzeugen (siehe Bild 2). "Schuld" ist der Dynamikumfang. An meiner neuen Sony beträgt der Dynamikumfang ca. 15 Blendenstufen, zum Vergleich: Das menschliche Auge hat ca. 20. Ihr seht also dass selbst die modernsten Kameras nicht mit uns mithalten können.
Ein weiterer Vorteil meiner a7rIII ist zum Beispiel, dass ich die Bilder auf 2 Speicherkarten gleichzeitig speichern kann und somit das Risiko eines Speicherkartenausfalls minimieren kann. Als professioneller Hochzeitsfotograf sollte man keine Hochzeit fotografieren, ohne solche Fehlerquellen auszumerzen. Im schlimmsten Fall versaut man sonst dem Brautpaar den schönsten Tag ihres Lebens.
Ich fotografiere deswegen mit meiner Sony a7rIII immer mit 2 Speicherkarten und habe auch immer eine Zweitkamera dabei, falls eine der Kameras mal ausfällt. Egal wie klein das Risiko eines Ausfalles auch ist: Was man vermeiden kann, sollte man vermeiden wollen! Deswegen ist es auch am sichersten, die Daten schon vor Ort zu kopieren und direkt 3fach zu sichern.
erstaunlich, was man beim Nachbearbeiten noch rausholen kann, oder?