27/07/2025
Montag, 28. Juli 2025 Heilbronner Stimme
Eine Stele für den Freiheitskämpfer
Fünfter Weintreff in Neckargartach mit Erinnerungen an Jäcklein Rohrbach eröffnet
Enthüllten die Jäcklein-Rohrbach-Stele (von rechts): Herbert Burkhardt, Eva Schwindt-Läpple, Michael Kuhn und Martin Diepgen. Foto: Ute Plückthun
Von Ute Plückthun
HEILBRONN Sommerblüher in Gelb, Orange und Rot symbolisieren die Flammen, die am 21. Mai 1525 im Gewann „Weidenbäumle“ bei Neckargartach hoch aufloderten, als Jäcklein Rohrbach bei lebendigem Leib verbrannt wurde. 500 Jahre später ist dem Anführer des Neckartaler Bauernhaufens im Leinbachpark ein Denkmal gesetzt worden. Als historisch-kultureller Auftakt des fünften Weintreffs, den mehrere Vereine und Institutionen an sieben Wochenenden bis Ende August auf die Beine stellen.
Idee Die Idee von Dr. Erhard Jöst, dem Böckinger im Gedenkjahr des Bauernkriegs eine Stele zu widmen, war beim Ortskartell auf fruchtbaren Boden gefallen. 10 000 Euro waren dafür erforderlich. „Wir haben ein Jahr gebraucht, bis die Gelder zusammen waren“, sagt der Vorsitzende Herbert Burkhardt. 5000 Euro kamen von der Volksbank. Weitere Beträge steuerten die Zeag, die Stadt Heilbronn und die Heilbronner Versorgungs GmbH bei.
Bildhauerin Eva Schwindt-Läpple erläuterte, dass sie sich wegen der besonderen Eigenschaften für den gefragten Heilbronner Schilfsandstein entschieden habe. Ihn habe sie mit traditionellen Steinmetzwerkzeugen bearbeitet. Weil das Mittelalter bunt und es üblich gewesen sei, Skulpturen zu bemalen, habe sie auch der Stele Farbe verliehen. „Die einzelnen Reliefs handeln vom Leben und Sterben Jäcklein Rohrbachs“, führte sie aus. Auf einigen sehe man bäuerliche Motive wie die Schaufel oder die Sichel mit Ähren. Zugleich spiegelten sie die trügerische Bauernidylle: „Die Sonnenblume wird zum Morgenstern, die Distel wandelt sich zur Keule, die Mistgabel zu einer tödlichen Waffe.“ Im Mittelpunkt: Jäcklein Rohrbach unter einer filigran angedeuteten Burg mit der Freiheitsfahne in der Hand.
Den Standort der Stele als „Denkmal, Mahnmal und Lernort“ beim historischen Bauerngarten bezeichnete der Erste Bürgermeister Martin Diepgen als „sehr gut ausgewählt“. Hinzu kommen fünf Parkbänke entlang des neu gestalteten Wegs, die der Obst- und Gartenbauverein, die Kulturschmiede, der Freie-Wähler-Verein, die Schlepperfreunde und die Landfrauen gespendet haben. Die aufständischen Bauern hätten Teilhabe, Freiheit und Gerechtigkeit eingefordert. Mutig und berechtigt gegen die Willkür der Obrigkeit, wenn auch nicht immer mit angemessenen Mitteln. Dieses Streben halle bis heute nach und zeige: „Der Rechtsstaat darf auf keinen Fall preisgegeben werden.“
Geschichtsfälschung Initiator Jöst betonte die von der Obrigkeit ausgehende Initialgewalt, ein an Grausamkeit beispielloses Strafgericht und eine Geschichtsfälschung der Sieger. Deshalb bestehe die Pflicht, die Erinnerung an den Vorkämpfer für Gerechtigkeit zu bewahren und Jäcklein Rohrbach zu würdigen. „Die Stele ist sehr schön geworden“, lobte die Heilbronnerin Adelgund Schwab, nachdem sie bereits im April vier Aufführungen der Weinsberger Bluttat sowie Lesungen des Historikers Christian Pantle besucht hatte. Eva Germann war mit ihrem Mann dabei, „weil alles interessant ist, was mit dem Bauernkrieg zu tun hat“. Und um danach den Weintreff zu besuchen