12/04/2026
... In diesen Tagen in Hannover auf ein Konzert oder Party zu gehen ist stets von Traurigkeit begleitet....
Die Ankündigung der Schließung der SubKultur Hannover nach rund 10 Jahren war und ist ein Schock für (nicht nur) die lokale Szene und nur schwer zu verdauen. Auch mich hat diese Nachricht sehr getroffen. Ich hatte nie ein besonders enges Verhältnis zur Sub, aber ich kenne das "Wohnzimmer" seit seinen Anfangstagen. Der Club wurde damals in einer sehr unsicheren Zeit gegründet, als in Hannover ein größeres Szene-Clubsterben eingesetzt hatte, dem diverse Kultclubs zum Opfer fielen (Ballsaal, Engel07). Ich hatte die Sub in den ersten Monaten recht intensiv begleitet da ich selbst noch nicht lange in H lebte, fast wäre auch die Phantoms Party in der Sub gelandet und dann vielleicht dort verankert gewesen, aber es sollte anders kommen.
Ich war also nie wirklich eng mit der SubKultur und seinem Team verbandelt, zwischendurch gab es gar auch mal einige kleinere Reibereien, die man aber professionell aus der Welt schaffen konnte. Das spielt auch heute alles keine Rolle mehr, was aber eine sehr wichtige Rolle spielt, ist Respekt. Denn was Jens Klostermann und sein Team in den letzten zehn Jahren aufgebaut haben und was sie dadurch für die Szene getan haben, ist kaum mit irgendetwas aufzuwiegen. Die SubKultur war und ist maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass größere Szenebands bzw. deren Bookingangenturen in ihren Tourplänen "Hannover" endlich mal nicht vergaßen. Plötzlich florierte die hiesige Szene durch ein nicht gekanntes Ausmaß an Konzerten und neuen Partyreihen, die teils immer noch bestehen. Und durch die Zusammenarbeit aller konnten wir in unserer Landeshauptstadt nach Jahren des Quasi-Stillstands eine lebendige und frische schwarze Kultur entwickeln, die von Zwanzig- bis Sechzigjährigen reicht und auf die uns heute die ein oder andere Großstadt in Deutschland beneidet. Dieser Ist-Zustand ist durch mehrere Faktoren entstanden, aber die SubKultur hatte - ohne Wenn und Aber - den größten Anteil daran.
Man muss den Club nicht mögen, man muss auch Jens oder sein Team nicht mögen, aber jeder, der nicht ehrlichen Respekt und Anstand zu diesem Wagnis, diesem Mut, und diesem Durchhaltevermögen zeigt, hat meiner Meinung nach in der Szene nichts zu suchen. Die meisten von uns sind keine Clubbesitzer (wage ich mal zu behaupten) und haben keine Vorstellung von der körperlich und mental schweren Arbeit dahinter - insbesondere wenn es sich um einen reinen Szeneclub ohne Kompromisse handelt. Es ist einfach nur der Wahnsinn, was Jens und seine Crew geleistet haben. Allein als Szeneclub die Corona-Welle zu überleben und diverse andere Hürden, ob nun behördlicher Natur oder durch eigenes Pech, gemeistert zu haben ....macht das nun definitive Ende umso tragischer. 🙁
Ich bin sehr traurig über das Unumkehrbare, da der Entschluss endgültig erscheint. Auch als Nicht-Stammgast kann ich abschließend nur Gutes über jenen Ort sagen, den viele hier ihr "Wohnzimmer" nennen und der so viele "Szenegänger" geschaffen hat. Viele Menschen, die in den 90ern geboren sind, sprechen heute davon, dass in ihrer Adoleszenz die Sub damals die erste Anlaufstelle für ein "schwarzes Verständnis" war.
Ich habe Jens über Umwege als lockeren, ehrlichen und kumpelhaften Buddy kennengelernt, der das Herz am rechten Fleck hat, aber nie wirklich abschalten konnte, sondern immer nur ums Überleben kämpfen musste. Und ich hoffe, dass er die Zeit nach seiner Sub dann ergiebig für sich nutzen kann und zumindest - um wenigstens in diesem Beitrag mal eine halbwegs gute Aussicht zu nennen - sich von dem stressigen Alltag eines Clubbesitzers erholen zu können.
In diesem Sinne - Jens - bleib gesund, bleib stark, hau rein, und wir sehen uns. 🙂 Ich werde deinen Club bis zum Ende noch einige Male frequentieren und freue mich darauf. Pass auf dich auf. ❤
Und vor allem und für immer: DANKE Subkultur Hannover !!
Chris