10/07/2026
Danke an Frank Rummeleit für diese tolle Besprechung unserer SOWAS VON EGAL 3 🫶
„Various Artists – „Sowas von egal, Vol. 3 German Synth Wave Underground 1981-1986“ (2026)
Diese sorgsam zusammengestellte Compilation mit Perlen aus dem deutschen Synth Wave Underground der Jahre 1981 – 1986 geht weiter mit Vol. 3.
Gerade hat Ikkimel mit ihrem Auftritt im Morgen Magazin (MoMa) im ZDF gezeigt, wie man Jung und Alt gleichermaßen schockieren kann.
Zuschauer der ZDF-Hitparade hatten diese Schockmomente bereits Anfang der 1980er Jahre zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle. Die konsternierten Gesichter bei der Performance von Hubert Kah im Nachthemd („Sternenhimmel“), von Frl. Menke im Hochzeitskleid („Traumboy“) oder die minimalistische Kunst von Trio („Da Da Da“) – sie gleichen denen im MoMa.
Die Mechanismen der Musikindustrie funktionieren immer noch, manchmal muss man die Provokation erhöhen, um noch anecken zu können.
Letztendlich ist es meist ein rein subjektives Empfinden, ob man Musik, ob man Kunst mag oder nicht.
Provokation hat im deutschen Synth- und NDW-Umfeld Tradition – und Tommi Stumpff war einer derjenigen, der sie am radikalsten betrieb.
„Die Entarteten greifen an, greifen euch“, warnt Tommi Stumpff in „Contergan Punk“. Der Song beschließt zwar das Album, ist aber auch passend als Rezi-Einstieg.
Seine Punk-Ästhetik zeigt sich eher in den Worten, musikalisch ist elektronische Dissonanz angesagt.
Fans von Tommi Stumpff wertschätzen diesen Titel wie sicherlich auch die anderen Tracks, ist es doch eher eine Liebhaberzusammenstellung.
Das DJ Team von Damaged Goods hat wieder tief in den Archiven der 1980er gegraben. Einige Namen kennt man, andere sind neu (im Inlay gibt es Infos zu jeder Band).
Und so klingt diese spannende Mixtur auch wie eine (Lehr-)Stunde vor dem Radio in den 1980ern, als es tatsächlich Sendungen gab, die solcher Musik Sendezeit einräumten.
Mein Favorit hat sich gleich beim ersten Hördurchlauf herauskristallisiert.
„Mensch im Eis“ von Vorgruppe. Eine kühl-distanzierte Sängerin, dazu ausgedehnte, pulsierende-hypnotische Instrumentalparts, die man dem Wave-/Post-Punk-Genre zuordnen kann. Hätte ein großer Hit in der Schwarzen Szene sein können, wäre er schon früher entdeckt und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Was nicht ist, kann ja noch werden.
Das elektronisch zirpende „Irrenanstalt“ von Zero Zero dürfte einen größeren Bekanntheitsgrad haben; der Text könnte aktueller für die Vorgänge in Deutschland und der Welt nicht sein.
Ti-Tho ist auch so ein schön-schräges Duo – der flotte „Traumtänzer“ geht in die Tanzbeine. Die Elektronik rumpelt in Volksweisen-Manier und die Sängerin hat hörbar Spaß an ihrem Tun.
„Kontrolle“ von Isolierband atmet den DIY-Zeitgeist der NDW.
JaJaJa singen „Habt nicht mehr Angst“, ein von Disharmonien getränkter Track, irgendwo zwischen Proberaum, Nina Hagen und Stereo Total.
Eine wundervoll kuratierte Zusammenstellung, welche die Bandbreite im deutschen Untergrund in den frühen 1980er Jahren aufzeigt. Ein lärmendes Vergnügen.
„Sowas von egal, Vol. 3“ zeigt erneut, wie breit gefächert, experimentierfreudig und eigensinnig die Synth- und Wave-Szene in Deutschland einmal war.
Es gibt viel zu entdecken, hören wir es uns an!
Mögen die Entdeckerfreude und die fundierten Kenntnisse der Damaged Goods DJs uns erhalten bleiben.“