06/09/2026
September bedeutete für mich immer Abschied: das Ende der Ferien, der Beginn einer leisen Melancholie. Doch schon als Teenagerin lernte ich, den Blick nach außen zu richten, auf das goldene Licht, die warmen Farben und die stillen Wege unter herbstlichen Baumtunneln. Dort begegnete mir ein seltsames Gefühl: Glück und Wehmut zugleich, Vergänglichkeit und Trost. Erst Jahre später fand ich in C. S. Lewis’ Überrascht von Freude einen Namen dafür: Freude (Joy). Für Lewis ist Freude ein plötzliches Verlangen nach etwas, das sich nicht ganz benennen oder besitzen lässt. Sie unterscheidet sich von Glück oder Vergnügen: Sie ist ein Hinweis auf etwas Größeres. Sobald man sie festhalten will, entzieht sie sich wieder. Freude ist ein Wegweiser, nicht das Ziel. Sie weist auf Gott hin. Lewis war überzeugt, dass diese tiefe Sehnsucht nicht zufällig ist. So wie Hunger auf Nahrung hinweist, deutet die Sehnsucht nach vollkommener Freude auf eine Wirklichkeit, die keine irdische Erfahrung erfüllen kann. „Wenn ich in mir ein Verlangen finde, das keine Erfahrung dieser Welt stillen kann, dann ist die wahrscheinlichste Erklärung, dass ich für eine andere Welt geschaffen bin.“ Freude ist ein zutiefst persönliches Geschenk und zugleich eine Erfahrung, die Menschen über Zeiten und Orte hinweg verbindet. Jeder kleine Funke dieser Freude erinnert mich daran, dass unsere Sehnsucht nicht ins Leere führt.
Luisa Râpă, Kirchenmusikerin
Luisa Râpă