29/08/2026
Austern in der bretonischen Kunst!
Vor einigen Jahren besuchten wir bei einem Besuch von Pont-Aven die Ausstellung "La Modernité en Bretagne 2". Gerade passend, da wir uns im Vorjahr den ersten Teil der Ausstellung ansehen konnten.
Spannend dabei waren die Malereien eines heutzutage recht unbekannten Künstlers: René-Yves Creston.
In der Ausstellung gab es 5 Bilder zu sehen, die die Arbeit im Austernpark darstellen. Da die einzelnen 5 Motive mit 9 anfingen und mit 13 endeten, kam ich auf den Gedanken, dass es sich um eine Serie handeln könnte … und fing an zu recherchieren.
In der Tat gibt es eine interessante Geschichte hinter den Austernbildern von René-Yves Creston.
Ausgangsbasis war Maison Prunier – das noch heute bestehende Luxus- und Kaviarhaus. Damals waren sie die ersten, die eine Austern-/Champagnerbar in Paris eröffneten.
1929 erhielt Creston dann von Maison Prunier den Auftrag, eine Serie von Illustrationen über die Austernzucht anzufertigen. Dabei sollte Creston nicht nur einfach schöne Bretagne-Bilder zeichnen, sondern die Herkunft und Herstellung des Produkts, das Prunier seinen Kunden servierte, in den Mittelpunkt stellen.
Für diese Arbeit reiste Creston in die Bucht von Morbihan und Marennes-Oléron, begab sich in die Austernparks und fertigte vor Ort Dutzende Zeichnungen an. Im Atelier arbeitete er dann die für Maison Prunier bestimmten finalen Versionen aus. Interessant ist, dass er nicht versuchte, den Arbeitsalltag eines einzigen Austernfarmers darzustellen, sondern darum, die Arbeit im Austernpark in Phasen widerzugeben und Techniken der Austernwirtschaft zu zeigen.
Insgesamt wurden von Maison Prunier 16 ausgewählte Aquarelle übernommen. Diese hingen dann jedoch nicht (nur) an der Wand. Vielmehr wurden aus Ihnen farbige Drucke erstellt, aus denen dann Menükarten gemacht wurden. Schließlich wurden die 16 Motive zu einem Portfolio zusammengefasst und 1929 mit einer Auflage von 1000 Stück an treue Kunden verschenkt.
Geblieben sind wunderbare Motive, die die Arbeit in den Austernfarmen vor ca. 100 Jahren zeigen.
Auf dem Kunstmarkt findet man die Drucke aus dem Jahr 1929 unter dem Namen "Quelques phases de la vie de l'huître" und werden dort im vollständigen Set im drei- bis vierstelligen EUR-Bereich gehandelt. Im Museum waren jedoch die Originale folgender Motive zu sehen:
- Ramassage des huitres
- Chargement des huitres
- Mise des civières à terre (Kerinis, Locmariaquer)
- Déchargement des huitres
- Mise des tuiles en tas
Auch wenn sich einzelne Aspekte der Arbeit im Austernpark geändert haben, bleibt das Austerngeschäft eine Knochenarbeit.
Jeder, der schon einmal 1 Tag in einem Austernpark mitgearbeitet hat, wird dies bestätigen. Es gibt immer was zu tun. 365 Tage im Jahr. Bei Wind und Wetter, 24/7. Nicht umsonst haben Austernfarmer zunehmend Schwierigkeiten, ausreichend Arbeitskräfte für die Arbeit im Austernpark zu gewinnen. Die kräftezehrende Arbeit möchte keiner mehr machen.
Und so geht der Trend aktuell in die Richtung, dass mit neuen Methoden (mehr) Austern mit viel weniger menschlicher Arbeitskraft produziert werden können.
Was bleibt, ist ein äußerst leckeres Produkt, das viele Arbeitsschritte braucht, um so zu werden, wie wir es auf dem Tisch kennen.
Guten Appetit, ein merci an René-Yves Creston + happy oyster