17/05/2026
Heute möchte ich etwas Persönliches teilen.
Nicht als „Drama-Post“. Nicht um jemanden bloßzustellen. Sondern weil ich glaube, dass viele aus kreativen Berufen solche Situationen kennen. Und weil hinter den schönen Bildern auf Social Media eben auch Momente stecken, die einen traurig machen.
Im April hatte ich ein ausführliches Gespräch mit einer Braut.
Wir haben ihren Brautstrauß besprochen, den Anstecker, den Haarkranz. Wir haben Blumensorten ausgesucht, Blumensorten ausgeschlossen, Details notiert, den Preis besprochen und die Abholzeit festgelegt.
Der Tag vor der Hochzeit war ein Feiertag.
Eigentlich wollte ich deshalb keine so frühe Abholung annehmen, weil ich morgens Zeit brauche, damit alles frisch und perfekt vorbereitet ist. Aber wegen ihres Fotoshootings um 10 Uhr habe ich einer Abholung für 9 Uhr trotzdem zugesagt.
Also habe ich vorgestern trotz Feiertag gearbeitet.
Ich habe extra hochwertige Blumen und besondere Rosensorten bestellt, versorgt und vorbereitet. Den Haarkranz und den Anstecker schon fertiggestellt.
Gestern Morgen stand ich um 7:30 Uhr im Laden, habe mit voller Konzentration und ganz viel Liebe den Brautstrauß gebunden, damit alles perfekt wird.
9 Uhr war die Abholung vereinbart.
Niemand kam.
Keine Nachricht.
Kein Anruf.
Nichts.
Erst heute kam eine Nachricht (nachdem ich gestern angerufen und geschrieben habe), dass sie dachte, es wäre kein richtiger Auftrag gewesen und ja nichts fest besprochen wurde.
Und genau DAS trifft mich ehrlich gesagt sehr.
Denn hinter einem Brautstrauß steckt nicht einfach „ein bisschen Blumen binden“. Dahinter stecken Zeit, Vorbereitung, Materialkosten, Erfahrung, Verantwortung, Gefühle — und oft opfern wir Floristen dafür Feiertage, Freizeit und Schlaf.
Ich habe mich immer dagegen gesträubt, Anzahlungen zu verlangen.
Weil ich wollte, dass Vertrauen reicht.
Weil ich nie wollte, dass sich Kunden „verpflichtet“ fühlen oder dass meine Arbeit einen geschäftlichen Beigeschmack bekommt.
Aber solche Situationen zeigen leider, warum mittlerweile so viele Kollegen genau das machen müssen.
Und ja — vielleicht hätte ich es mir unterschreiben lassen müssen. Vielleicht hätte ich eine Anzahlung nehmen sollen. Vielleicht war ich zu gutgläubig.
Aber ich finde trotzdem:
Ein kurzer Anruf oder eine ehrliche Absage sollte selbstverständlich sein.
Vielleicht sind Blumen für manche nur „Deko“.
Für mich steckt darin Zeit, Verantwortung, Leidenschaft — und ein Stück von mir selbst.
Und genau wegen solcher Momente verlieren viele Selbstständige irgendwann das Vertrauen, mit dem sie eigentlich arbeiten wollten.