13/12/2025
Danke an den Bundesverband Copter Piloten e.V. - BVCP, dass ihr versucht, es mal wieder klarzustellen.
Problem sind nicht die verantwortlichen Betreiber.
Wer mehr über Drohnendienstleistungen im professionellen Umfeld wissen möchte darf sich gerne melden.
Warum steigende Drohnensichtungen kein erhöhtes Risiko bedeuten und Mathematik kein Hexenwerk ist😉
In den letzten Monaten lesen wir immer häufiger Schlagzeilen über eine angeblich zunehmende Bedrohung durch Drohnen. Genannt werden steigende Zahlen von Drohnensichtungen, insbesondere im Umfeld von Flughäfen und kritischer Infrastruktur. Diese Berichte verunsichern viele Menschen und auch innerhalb der Drohnen-Community sorgen sie für Unruhe. Doch wer diese Zahlen ernsthaft bewerten will, muss sie in einen Zusammenhang setzen. Und genau das geschieht bislang viel zu selten.
Zunächst ist wichtig zu verstehen, was hier überhaupt gezählt wird. Es handelt sich um Sichtungen. Gemeldet wird, dass etwas gesehen wurde. In der Regel ist dabei weder bekannt, um welchen Drohnentyp es sich handelt, noch wer sie gesteuert hat oder ob der Flug regelkonform oder regelwidrig war. Es gibt keine technische Identifikation, häufig Mehrfachmeldungen desselben Ereignisses und nicht selten Fehlinterpretationen von Größe, Höhe oder Entfernung. Sichtungszahlen sind deshalb keine Täterstatistik und auch kein Nachweis für zunehmende Regelverstöße. Sie beschreiben lediglich, dass etwas wahrgenommen und gemeldet wurde.
Was in der öffentlichen Debatte fast immer fehlt, ist die entscheidende Bezugsgröße. Wie viele Drohnen gibt es eigentlich in Deutschland? Ohne diese Zahl sind absolute Sichtungsmeldungen nicht einzuordnen.
Seit Einführung der Registrierungspflicht gibt es in Deutschland über eine Million registrierte Betreiberkonten beim Luftfahrt-Bundesamt. Ein Betreiberkonto steht dabei nicht für eine einzelne Drohne. Vor allem gewerbliche, aber auch engagierte private Nutzer betreiben regelmäßig mehrere Geräte. Parallel dazu zeigen Marktanalysen seit Jahren eine starke Durchdringung des zivilen Drohnenmarktes. Der Marktführer DJI hält stabil rund siebzig bis fünfundsiebzig Prozent Marktanteil. Konservative Schätzungen gehen von etwa dreihunderttausend bis fünfhunderttausend neu verkauften Drohnen pro Jahr in Deutschland aus. Drohnen werden zudem nicht jährlich ersetzt. Die durchschnittliche Nutzungsdauer liegt realistisch bei vier bis sechs Jahren.
Aus diesen Faktoren ergibt sich für das Jahr 2025 ein aktiver ziviler Drohnenbestand von etwa eineinhalb bis zweieinhalb Millionen Geräten in Deutschland. Diese Größenordnung deckt sich mit Registrierungszahlen, Marktentwicklung und praktischer Erfahrung aus Handel und Verbänden.
Setzt man diese Zahl nun ins Verhältnis zu den gemeldeten Drohnensichtungen, ergibt sich ein völlig anderes Bild als es viele Schlagzeilen suggerieren. Je nach Quelle bewegen sich die gemeldeten Sichtungen im sensiblen Umfeld bei etwa hundertfünfzig bis dreihundert pro Jahr. Selbst bei sehr großzügiger Betrachtung entspricht das weniger als 0,02 Prozent des Gesamtbestandes. Anders formuliert: Über 99,98 Prozent aller Drohnen tauchen in keiner einzigen Sichtungsmeldung auf.
Warum steigen die Sichtungen trotzdem? Dafür gibt es einfache und gut belegbare Gründe. Noch nie waren so viele Drohnen gleichzeitig im Einsatz wie heute. Moderne Drohnen fliegen stabiler, länger und in Höhen, die früher kaum erreichbar waren. Gleichzeitig sind Piloten, Tower, Polizei und Sicherheitsdienste deutlich sensibilisiert. Was früher ignoriert wurde, wird heute gemeldet. Mehr Meldungen bedeuten in diesem Zusammenhang vor allem mehr Aufmerksamkeit, nicht automatisch mehr Gefahr.
Aus diesen Zahlen lässt sich keine neue qualitative Bedrohungslage ableiten. Weder eine systematisch steigende Gefährdung noch ein kausaler Zusammenhang zwischen privatem Drohnenflug und regulatorischer Verschärfung sind belegbar. Regulierung entsteht nicht aus einzelnen Regelverstößen, sondern aus technologischer Entwicklung, sicherheitspolitischer Vorsorge und internationaler Harmonisierung. Diese Prozesse laufen unabhängig davon, ob einzelne Nutzer sich regelkonform oder regelwidrig verhalten.
Auch die häufig bemühte Trennlinie zwischen privaten und gewerblichen Drohnenpiloten hält einer sachlichen Betrachtung nicht stand. Aus regulatorischer Sicht ist sie irrelevant. Eine Drohne stellt technisch dasselbe Risiko dar, unabhängig davon, ob sie privat, gewerblich oder ehrenamtlich eingesetzt wird. Risiken werden systemisch bewertet, nicht moralisch.
Regelkonformes Fliegen ist selbstverständlich wichtig. Aber nicht, um Regulierung zu verhindern. Sondern um Sicherheit zu gewährleisten, Akzeptanz zu erhalten und in der öffentlichen Debatte argumentationsfähig zu bleiben. Wer Drohnen langfristig im zivilen Luftraum erhalten will, braucht keine Schuldzuweisungen, sondern Einordnung.
Steigende Sichtungszahlen zeigen vor allem eines. Drohnen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wer Risiken ernst nimmt, sollte sie proportional bewerten. Nicht emotional.