25/06/2026
DIE FÜRSTEN VON HOHENZOLLERN IM ALTEN REICH - KONFESSION UND REICHSPOLITIK IM SPIEGEL DYNASTISCHER STRATEGIEN
Einen Vortrag zum Thema “Die Fürsten von Hohenzollern im Alten Reich - Konfession und Reichspolitik im Spiegel dynastischer Strategien” hält am Montag, 29. Juni 2026, im Staatsarchiv Sigmaringen und am Dienstag, 7. Juli, im Hohenzollerischen Landesmuseum uin Hechingen der Tübinger Professor für Neuere Geschichte, Dr. Franz Brendle. Die Veranstaltungen des Hohenzollerischen Geschichtsvereins beginnen um 18.00 Uhr, der Eintritt ist frei.
Die Bezeichnungen Imperium Romanum, Imperium Christianum und Imperium Mundi – römisch, christlich, weltumspannend – veranschaulichen die Selbstdeutung des Heiligen Römischen Reiches, das seit etwa 1500 den Zusatz „Deutscher Nation“ führte. Die Reichsreform Kaiser Maximilians I. von 1495 markierte eine verfassungsgeschichtliche Zäsur: Mit dem Ewigen Landfrieden und der Einrichtung des Reichskammergerichts wurde das mittelalterliche Fehdewesen zurückgedrängt und die rechtlich-institutionelle Ordnung des Reiches gestärkt. Als Gegengewicht zum Einfluss der Reichsstände auf die Besetzung der Richterämter schuf Maximilian zusätzlich den kaiserlichen Reichshofrat.
Im konfessionellen Zeitalter geriet diese Ordnung zunehmend unter Druck. Reformation und Gegenreformation, Religionsfrieden und Reichstage sowie der Dreißigjährige Krieg stellten das Reich vor immer neue Herausforderungen. In diesem sich wandelnden Gefüge behauptete sich das schwäbische Haus Hohenzollern mit bemerkenswerter Präsenz: Es stellte nicht nur die ersten Präsidenten beider oberster Reichsgerichte, sondern bekleidete auch das Ehrenamt des Reichserbkämmerers.
Die engagierte Unterstützung der katholischen Liga im Dreißigjährigen Krieg durch die Hohenzollern wurde reichspolitisch honoriert – mit der Erhebung in den Reichsfürstenstand als Ausdruck gesteigerter dynastischer Bedeutung. Diese Politik zwischen Kaiserloyalität, territorialem Eigeninteresse und konfessioneller Positionierung zeigt exemplarisch, wie kleinere Fürstenhäuser agierten, um sich im komplexen System des Heiligen Römischen Reiches als dessen Glied behaupten zu können.
Prof. Dr. Franz Brendle beleuchtet in seinem Vortrag die dynastischen Strategien der Hohenzollern im Spannungsfeld von Reichsverfassung, Religion und Macht. Dabei wird deutlich, wie konfessionelle Entscheidungen und politische Loyalitäten die Handlungsspielräume fürstlicher Akteure bestimmten und wie sich darin die Dynamik einer Epoche widerspiegelt, die von religiösen Konflikten und politischen Neuordnungen gleichermaßen durchzogen war.
Abbildung (Universitätsbibliothek Tübingen): Wappen des Grafen Karl I. von Hohenzollern in David Wollebers Chorographia Württemberg von 1591 mit dem goldenen Szepter des Reichserbkämmerers. Die Grafen bzw. Fürsten von Hohenzollern hatten dieses Amt seit 1505 inne.