08/09/2026
Liebe Musikfreund*innen,
diese Nachricht haben Sie sicherlich nicht erwartet.
Und es fällt mir nicht leicht, sie zu formulieren.
Aber ich muss:
Aus verschiedenen, vor allem gesundheitlichen Gründen, habe ich die Entscheidung getroffen, meine Konzertreihe MUSIK ZWISCHEN DEN WELTEN ab sofort zu beenden.
Das betrifft auch die ursprünglich für die kommenden Wochen geplanten und teils schon angekündigten Konzerte. Die bereits gekauften Tickets können Sie an den Kassen, an denen sie erworben worden sind, zurückgeben.
Dass Sie damit einen gewissen Aufwand haben tut mir leid, ich bitte um Ihre Nachsicht.
Damit endet 22 Jahre nach dem Start im Oktober 2005 mein persönlicher Versuch, unsere lokale Welt in und um Dresden musikalisch weiter zu öffnen und unser Leben damit zu bereichern.
Weltoffenheit und das Blicken resp. das Hören über den eigenen, manchmal all zu engen Tellerrand hinaus, das war mir immer ein Herzensbedürfnis und zentrale Anliegen meiner Arbeit.
Im Intro zur allerersten Konzertbroschüre (die es bis zum Corona-Frühjahr 2020 dreimal jährlich, insgesamt also 45 Hefte gab) schrieb ich damals im September 2005:
"Eingeladen sind Musikerinnen und Musiker aus den verschiedensten Ländern und Kulturen dieser Welt, die an besonderen Dresdner Orten ihre außergewöhnliche, facettenreiche Musik vorstellen werden, eigene und überlieferte Kompositionen im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, zwischen komponiert und improvisiert, zwischen instrumental und a ca****la; world-wide-music mit vielfältigen Einflüssen aus Folk, Jazz, Rock, Pop und Klassik.
Erklingen wird lebendige Musik zwischen östlicher Tradition und westlicher Perfektion, zwischen südlicher Leidenschaft und nördlicher Melancholie ..."
An dieser Vision habe ich alle die Jahre festgehalten.
Nicht möglich gewesen wäre dies ohne die so extrem wichtige, freundliche, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Staatsschauspiel Dresden, das mir über all die Jahre und über vier aufeinander folgende Intendanzen hinweg die Treue gehalten hat.
Dafür möchte ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Intendanz und Theater-Leitung, aus den verschiedenen technischen Bereichen (Licht, Ton, Bühne), der Öffentlichkeitsarbeit und dem Ticket-Kassenbereich bis hin zu den so oft übersehenen, aber ebenso wichtigen Angestellten der Reinigung so von Herzen danken, wie dies nur irgend möglich ist.
Ein ebenso wichtiger und extrem langjähriger Partner war die Dreikönigskirche Dresden. Auch da wechselte bis 2020 dreimal die Leitung des Hauses, immer ging es weiter, immer war die Zusammenarbeit geprägt von Freundlichkeit und Verlässlichkeit.
Auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Dreikönigskirche möchte ich deshalb von Herzen danken.
Ein ganz besonders großer Dank gilt in diesem Kontext meinem langjährigen Tonmeister Thomas Fiedler, der in diesen Jahren fast alle Konzerte in der Kirche tontechnisch betreut hat.
Dass ich nach der Corona-Pause im Frühjahr 2022 in der Kirche keine Konzerte mehr veranstaltet habe, das hatte seine Gründe ausschließlich in mir:
Ich wollte und musste meinen Arbeitsaufwand, der in den Jahren zuvor immer größer und extremer geworden war, reduzieren.
Ganz besonders herzlich möchte ich natürlich allen Musikerinnen und Musikern von Herzen danken, die mir in all diesen Jahren vertraut haben und bei mir ihre Musik dargeboten haben. Es waren, und ich übertreibe nicht, wahrlich herzerwärmende und unvergessliche Begegnungen und Konzerterlebnisse. Ihr habt mein Leben und das unserer Gäste bereichert und verschönert. Habt tausend Dank dafür!
Absolut unmöglich gewesen aber wäre das lange Leben diese Konzertreihe ohne SIE, die Gäste. Der Kontakt und Austausch mit Ihnen war mir immer immens wichtig.
Schließlich wollte ich keine in erster Linie rein kommerziell ausgerichtete Arbeit machen (das wäre tatsächlich einfacher gewesen), sondern mit Ihnen gemeinsam das Besondere suchen und finden, das Seltene, das Authentische.
Da ich für all diese weit über eintausend Konzerte nie öffentliche Gelder erhalten (auch nie beantragt) habe, bedeutete dies:
Für alle Ausgaben war einzig ich verantwortlich:
Künstler-Honorare einschließlich Reisekosten, Hotelkosten, Künstler-Catering, Raummiete, Licht- und Tontechnikkosten, diverses Personal, Kosten für Werbung und Promo als auch verschiedene Gebühren für GEMA, KSK und Finanzamt mussten ausschließlich über die Ticketgebühren finanziert werden. Und die sind selten vorhersehbar.
Dass dies (trotz einiger heftiger, aber letztendlich begrenzter finanzieller Einbrüche) über 22 Jahre hinweg gelang - das erscheint mir als das größte Wunder dieser Jahre.
Und geschehen konnte dies alles nur durch SIE:
Durch Ihre Anteilnahme, durch Ihr Interesse, durch Ihre Neugier, durch Ihre Begeisterung und durch Ihre große Offenheit auch für Neues, bisher Fremdes, bisher Unerhörtes.
Schließlich kamen viele Ensemble nicht nur aus geografisch weiten Fernen, sondern auch kulturell und musikalisch anderen Welten.
Dass SIE sich immer wieder darauf eingelassen haben bewerte ich tatsächlich als Wunder.
Als Wunder erschien mir auch die enorme Hilfe, die Sie mir in den knapp zwei Jahren des Corona-Stillstands geleistet haben: Ein kleiner persönlicher Hinweis in einer mail (der mir selbst eher peinlich war) reichte aus, dass mir viele meiner Stammgäste in dieser Zeit Geld spendeten. Einfach so. Das hat mich überwältigt.
Es war mir einerseits peinlich, aber eben auch überlebenswichtig. Und es war eine so beglückende Erfahrung, mit der ich niemals gerechnet hätte.
Für all das kann ich Ihnen nur auf das Allerherzlichste danken!
Eine Erfahrung, die ich in all den Jahren immer wieder gemacht habe, möchte ich abschließend gern noch mit Ihnen teilen, nämlich diese:
Menschen können einander verstehen, können einander vertrauen, können miteinander leben, können einander annehmen, auch wenn sie unterschiedliche Erfahrungen und Prägungen haben.
Verschiedene Kulturen, verschiedene Religionen, verschiedene Hautfarben, verschiedene Geschlechter ... sind kein Grund und kein Anlaß zu Hass und persönlichem Gegeneinander.
Glauben Sie nicht den Hasspredigern, die Ihnen das Gegenteil sagen, auch wenn diese immer mehr Zulauf bekommen und nun sogar Wahlen gewinnen.
Leben geht nur miteinander.
Und die globalen Probeme dieser Welt, die unser aller Leben, vor allem das unserer Kinder und Kindeskinder bedrohen, können wir eh nur gemeinsam lösen.
Ich danke Ihnen allen von Herzen für 22 Jahre Miteinander.
Und für die Zukunft wünsche ich Ihnen alles Gute, viel Liebe und beste Gesundheit.
Ihr Andreas Grosse