06/08/2021
Ein Abschiedsbrief:
Liebes Corona-Virus,
jetzt kennen wir uns schon seit Januar 2020. Eines muss ich dir lassen, du hast unseren Wortschatz und unser Wissen über alle Maßen bereichert: Mund-Nase-Schutz, FFP 1, FFP 2, Inzidenz, Distanzunterricht und noch viele mehr.
Du hast es geschafft, dass fast jeder Keller, jeder Dachboden und jede Garage pikobello aufgeräumt ist. Dank dir fahren die Leute wieder mehr mit dem Rad, haben mit Handarbeiten angefangen oder widmen sich dem Garten. Schminken ist auch nicht mehr so essenziell und im Lockdown reichte es völlig, alle paar Tage mal zu duschen. Danke dafür!
Du hast noch das eine oder andere angestellt, aber darüber schweigen wir jetzt mal.
Aber eines muss ich dir als Freundin sagen (macht ja sonst keiner): Schätzchen, du bist eine UNGLAUBLICHE Spaßbremse. Glaub es mir, unter Brautleuten, Geburtstagskindern und Schifahrern hast du dir keine Freunde gemacht. Deswegen möchte ich Dir das mit dem Feiern nochmal erklären: Wir Menschen feiern und DU bist nicht eingeladen!!! Sollte dich aus Versehen und Unwissenheit doch jemand mitgebracht haben, hältst du dich bedeckt. Du darfst draußen einen Sekt mittrinken und dann gehst du bitte wieder.
Ist ja nicht böse gemeint, aber wir Menschen brauchen das von Zeit zu Zeit, dieses enge Beieinandersein. Kennst du doch von den Fledermäusen, die haben es auch gerne kuschelig. Das ist es doch: du gehst wieder zu den Fledermäusen zurück, die haben nicht gegen dich, und im Gegenzug versprechen wir, die nicht mehr zu essen.
Dieses Jahr will ich ja noch mal ein Auge zudrücken, du musst deinen Umzug ja auch organisieren. Aber ganz ehrlich: Nächstes Jahr möchte ich dich hier nicht mehr sehen. Frag deine Menschen, ob sie Dir beim Packen helfen (das nennt sich impfen) und Silvester feierst du dann in einer schicken Höhle.
Ich wünsche Dir ein schönes Leben, aber bitte versteh, dass Du und die Menschen nie mehr Freunde sein werden.
Deine Ines