24/08/2026
„Wie, du bist freie Rednerin?“
Ja. ✨
Und ich glaube, von außen sieht mein Job manchmal ziemlich entspannt aus.
Samstags ein schönes Kleid anziehen, Mikrofon in die Hand, ein bisschen über die Liebe erzählen – fertig.
Wäre auch schön.
In Wirklichkeit beginnt meine Arbeit aber schon Wochen vorher.
Dann sitze ich mit zwei Menschen zusammen, die mir erst einmal erzählen, wie sie sich kennengelernt haben.
Wann der erste Kuss war.
Wer „Ich liebe dich“ zuerst gesagt hat.
Wie der Antrag lief.
Alles wichtig.
Aber irgendwann kommen wir an den Punkt, den ich eigentlich am liebsten mag.
Dann sind wir nämlich plötzlich bei der Spülmaschine.
Bei der Zahnpastatube.
Bei dem einen, der grundsätzlich zu spät kommt.
Bei dem anderen, der schon drei Tage vorher wissen möchte, wann genau man losfährt.
Bei irgendwelchen völlig bekloppten Insidern, die ich manchmal erst nach einer kurzen Erklärung verstehe.
Und während die beiden erzählen, passiert meistens etwas.
Sie lachen.
Sie ergänzen sich.
Einer verdreht die Augen.
Der andere sagt:
„Ja komm, das stimmt doch gar nicht!“
Und genau da denke ich oft:
Jetzt hab ich euch.
Denn für eine gute Traurede muss ich nicht nur wissen, was ihr miteinander erlebt habt.
Ich möchte verstehen, wie ihr miteinander seid.
Warum genau ihr euch zum Lachen bringt.
Warum ihr euch manchmal herrlich auf die Palme bringen könnt – und trotzdem keinen anderen Menschen an eurer Seite haben möchtet.
Was euch trägt.
Was euch verbindet.
Und warum ausgerechnet ihr zwei so verdammt gut zusammenpasst.
Und daraus schreibe ich dann eure Rede.
Mit den großen Momenten.
Aber vor allem mit den kleinen.
Mit Gefühl, wenn es passt.
Mit Humor, weil der zum echten Leben nun mal dazugehört.
Und ohne aus euch plötzlich zwei Menschen zu machen, die ihr gar nicht seid.
Denn am Ende möchte ich nicht hören:
„Das war aber eine schöne Rede.“
Ich möchte diesen Blick zwischen euch sehen, dieses Grinsen – und am liebsten hören:
„Das waren einfach wir.“
Ja.
Das ist mein Job.
Und ich glaube, genau deshalb liebe ich ihn so. ♥️